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Bitte bleiben sie sachlich!

In jeder Organisation wird es täglich schwieriger, die anstehenden Herausforderungen im Einzelkämpfer-Modus zu lösen. Viel mehr sind Teamgeist und Teamspirit gefragt. In meiner Coaching-Sprache nenne ich das, die kollektive Intelligenz anzapfen.

Und je mehr wir im Team denken, arbeiten, Probleme lösen müssen und dürfen, desto mehr schwingt neben der Sachebene eine andere Ebene mit. Wir nennen sie die gruppendynamische (oder teamdynamische) Ebene. Hier zeigt sich, was zwischen den Menschen los ist. Und schön ist, diese Gruppendynamik findet immer statt – wie das Wetter.

Eisberg

Aus was besteht den dieser gruppendynamische Raum?

Drei Kräftepaare wirken hier:

  1. Macht und Wirkung in der Gruppe
    (oben – unten; Wie ist die Macht in der Gruppe verteilt? Wer besitzt wieviel Macht?)
  2. Nähe und Distanz in der Gruppe
    (drinnen – draussen; Wer ist drinnen? Wer ist Aussenseiter? Wer ist draussen?)
  3. Intimität in der Gruppe
    (nah – fern; Wieviel Sympathie ist da füreinander? Wieviel zeige ich mich in der Gruppe? Wer ist mir fern?)

Wobei wir als Individuum sehr unterschiedliche Präferenzen und Bedürfnisse bezüglich diesen drei Bereichen haben, diese jedoch in jeder Gruppe immer wieder neu ausdividiert werden dürfen. Und die Gruppe zu diesen drei Bereichen Normen und Regeln definiert, denen ich mich oftmals zu fügen habe.

Als Beispiel: ich selber bin sehr affin auf Macht und Wirkung, mir ist aber die Intimität in der Gruppe oftmals nicht wichtig. Die Zugehörigkeit in der Gruppe, in der ich mich auch entsprechend investiere, ist mir wichtig. Wie fühle ich mich jetzt einer Gruppe, in der Zugehörigkeit und Intimität sehr wichtig ist? Und ich als Mensch wenig Wirkung / Macht entfalten kann? Werde ich dort meine Bedürfnisse befriedigen können? Bin ich fähig, meine Bedürfnisse in der Gruppe anzusprechen und einzufordern? Wird das die Gruppe akzeptieren oder nicht?

Es geht nicht darum, Gleichheit herzustellen. Es geht darum, uns in unserer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und wert zu schätzen!

Wie auf der Zeichnung visualisiert, finden die Dynamiken der Gruppendynamik unterhalb der Wasseroberfläche statt. Sie sind nicht sofort sichtbar. Und doch für alle in der Gruppe sehr gut wahrnehmbar, wenn wir unsere Sinne darauf ausrichten.

Was hilft mir das jetzt bei der Teamarbeit?

Als Führungskraft oder auch Teammitglied bringt mir dieses Wissen zur Teamdynamik Klarheit und Besprechbarkeit. Dies kann in einem Teammeeting oder einer Retrospektive angesprochen werden. Dieses Ansprechen kann nicht auf Knopfdruck erfolgen, sondern braucht Fingerspitzengefühl und eine Portion Mut. Dieser wird aber definitiv belohnt. Je mehr auf der teamdynamischen Ebene in der Gruppe besprechbar wird, desto grösser wird die Arbeitsfähigkeit in der Gruppe.

In meiner Arbeit als Team Coach übe ich mit Teams und Führungskräften diese Fähigkeit. In vielen agilen Methoden wie Scrum und Kanban ist mit dem gemeinsamen Reflektieren der Zusammenarbeit genau dieser Lernprozess auf der gruppendynamischen Ebene adressiert. Warum? Damit wir im Team / in der Gruppe arbeitsfähiger werden!

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Diskussion

2 Antworten

  1. Sehr guter Artikel! Die Frage nach den von Dir genannten drei Dynamiken wird von vielen Leuten entweder gar nicht bewusst wahrgenommen oder nur in Fragmenten, weil jeder von uns zu anderen Aspekten eine Affinität hat. Wer z.B. einflusszentriert ist, versucht häufig, den Machtaspekt zu manipulieren, während harmoniebedürftige Menschen eher versuchen, den gruppendynamischen Teil geschmeidig zu halten, auch wenn sie dafür darauf verzichten, darüber hinaus beizutragen. (Und das ist völlig in Ordnung, wenn es für diejenigen selbst okay ist und sie sich nicht eingeschränkt fühlen! Soziale Katalysatoren sind wichtig.)

    Einen Punkt, den ich besonders wichtig finde ist, dass eben *nicht* alle gleich sind. Die von Dir genannte Wertschätzung und Akzeptanz sind da zwar total wichtig, aber eben nur der soziale und emotionale Aspekt. Auf der Sachebene ergibt sich die Qualität der Ergebnisse erst aus der Unterschiedlichkeit. Ohne Unterschiedlichkeit bekommst Du keine kreativen, keine durchdachten, keine brauchbaren Ergebnisse. Nur wenn die Gruppenteilnehmer aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Kenntnissen und Erwartungen auf eine Sache schauen, gibt es differenzierte Lösungen, gibt es fruchtbare Diskussionen.

    Deswegen ist es als Berater auch wichtig, zwischendurch immer mal wieder den advocatus diaboli beizusteuern und zu durchbrechen, wenn zu starker Konsens herrscht oder Groupthink aufkommt. Da hat man als Externer viel besser das Instrument, diese Dinge zu durchbrechen.

    Und nicht vergessen, was Winston Churchill gesagt hat: Wenn zwei Männer stets einer Meinung sind, ist einer von ihnen überflüssig.

    Anders zu sein, einen anderen Blickwinkel zu haben, ist etwas sehr Wertvolles. Man muss nur im Blick behalten, dass man das Gewicht der eigenen und der anderen Meinungen in der Waage hält. Auch wenn nicht alle gleich sind, sollte das Gewicht der Meinungen gleich verteilt sein.

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