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Das Gender-Sternchen ist problematisch

Mann mit Brille und Bart schaut fragend auf das Gender-Sternchen.

Beinahe nichts polarisiert so sehr wie das Gender-Sternchen. Die einen halten es für unnötig und die anderen für essenziell. Persönlich ist mir die Diskussion darum, wie wir alle Arten des Menschseins sichtbar machen können sehr wichtig. Es ist nunmal ein Fakt, dass «mitgemeinte» Menschen sich nicht inkludiert fühlen. Ich frage mich immer wie es währe, wenn ich beim Lesen von Texten überall immer nur die weibliche Form lesen würde. Allenfalls bin das nur ich aber das würde mich stören.

Ich will also in diesem Text nicht darüber lamentieren «ob» das Gender-Sternchen nötig ist sondern «in welcher Form». Das Sternchen ist nämlich problematisch, da es wiederum eine spezifische Gesellschaftsgruppe ausschliesst: Die blinden Menschen oder diejenigen mit einer Sehbehinderung.

Screenreader lesen nicht in den Sternen

Das Problem beim Sternchen ist, dass Screenreader, also die Computerprogramme, die den sehbehinderten Menschen dabei helfen, Texte zu lesen, über diese Gender-Sternchen stolpern. Sie machen also den Text nicht nur für uns sehende Menschen unangenehm zum Lesen, sondern auch für Menschen mit Sehbehinderung. Dasselbe wird dann wohl auch für den Gender-Gap also den Underline anstelle des Sternchens gelten. Wie also können wir das korrigieren? Die Lösung ist so elegant wie einfach.

LinkedIn macht es uns vor

Seit einiger Zeit sehe ich bei LinkedIn eine Lösung, die ich genial finde. LinkedIn verwendet den Doppelpunkt. Anstelle von Freundinnen und Freunde schreibt man dann etwa Freund:innen. Der Doppelpunkt als Zeichen der Inklusion hat mehrere Vorteile:

  • Er ist unaufdringlich
  • Er wirkt nicht belehrend
  • Er kann von Screenreader problemlos gelesen werden.

Aus meiner Sicht ist der Doppelpunkt die eleganteste und politisch neutralste Lösung, eines Themas, dass uns und unsere Sprache wohl noch eine Weile begleiten wird.

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Diskussion

6 Antworten

  1. Drehen wir den Blick um. Schrift ist eine «Dienstleistung» an die Sprache (gesprochen oder gedacht). Man soll etwas so schreiben, wie es gesprochen/gedacht wird. In Bezug auf Inklusion heisst das, wir müssen zuerst lernen, ander zu sprechen. Das ist die grossse Herausforderung. Die ganzen Sonderzeichen und anderen Hacks sind nur «Symptombekämpfung». Es braucht eine Erweiterung der Grammatik mit neuen Formen. Ist etwas radikal, ich weiss. Aber was bringt es, wenn wir es schriftlich lösen und dann an einem Vortrag die Referentì nicht wirklich wissen, wie sie sich ent-gendert ausdrücken sollen?

  2. Nicht nur das Sternchen stört Screenreader, sondern alle Zeichen, die eigentlich eine andere Bedeutung haben. Denn wie soll der Screenreader entscheiden, welche Bedeutung gerade passt?

    Nicht umsonst lehnt der Verband der Blinden und Sehbehinderten diese Kunstschreibe ab. Egal ob Stern, Doppelpunkt, Unterstrich oder was irgendwem sonst noch für Unsinn einfällt. Dass Gendern diskriminiert, hat mittlerweile sogar die taz eingesehen und dort wurde diese diskriminierende Kunstschreibe als erstes benutzt.

    Der PEN Autorenverband hat herausgefunden, dass Genderschreibe Menschen davon abhält, vernünftig und sicher Deutsch zu lernen. Denn wie soll man jemand erklären, dass man klare Regeln aus ideologischen Gründen einfach missachtet?

    Der Fehler liegt schon in der Behauptung, Frauen seien in der Sprache nur “mitgemeint”. Wer das behauptet, lügt. Denn er leugnet den Unterschied zwischen Genus und Sexus. “Die Person” ist genau so wenig zwangsweise weiblich, die “Der Mensch” zwangsweise männlich ist.

    Gendern diskriminiert Frauen, denn es reduziert uns ausschließlich auf unser Geschlecht. Das ist purer Sexismus, der spaltet und eine Apartheid aufbaut.

    Es gibt keinen Grund, zu gendern. Gendern diskriminiert. Bitte diskriminiere nicht.

    1. Meinen herzlichsten Dank, Karin. Das ist aus meiner Sicht die richtige Antwort. Vor hundert Jahren noch haben die Frauen dafür gestritten, arbeiten zu dürfen, oder zu wählen, oder Auto zu fahren, oder ihre eigenen Angelegenheiten selbst zu entscheiden, oder rechtlich nicht grundsätzlich als Eigentum eines Mannes behandelt zu werden. Alle diese Kämpfe waren wichtig.

      Dass wir uns heute darüber unterhalten, dass sich Frauen davon diskriminiert fühlen, wenn von “Kunden” die Rede ist, ist eine fatale Sinnentleerung des Feminismus in eine künstlich erzeugte Opferrolle der Frau. Es gibt sicherlich andere, wichtigere Baustellen, für die Feminismus sich einsetzen kann.

  3. Hi,
    das das “Gendersternchen für uns sehende unangenehm ist” ist eine Meinungsäußerung, der ich mich nicht anschließen kann. Mich stört es nicht.

    Dass Screenreader darüber stolpern kann in der Software angepasst und optimiert werden. Also auch ein schwaches Argument. Wenn sich diese Schreibweise weiter ausbreitet, werden die Hersteller der Screenreader reagieren

    1. Ich habe kürzlich einen Flyer erhalten, da war sowohl Gendersternchen als auch das Sternchen für eine Fussnote verwendet. Dass eine Software erkennt, welches ein Gendersternchen ist und welches ein Fussnotensternchen, stelle ich mir schwierig bzw. fehleranfällig vor. Underscore und Doppelpunkt sehe ich da als weniger problematisch (Underscore müsste ggf. noch implementiert werden).

    2. Was du sagst, stimmt halt einfach nicht und ist daher ausgedachter, Pardon, Mist.

      Die Programme können eben nicht unterscheiden, was hier jetzt wo und wie ist. Gerade nochmal extra nicht, wenn in jedem Text auch noch andere Genderzeichen genutzt werden.

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