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Die Natur schaut zu uns – leben ohne Geld?

Ursprünglich wäre ich letztes (und dieses) Jahr auf morntags CoolTour ins Silicon Valley mit – aus bekannten Umständen ging das nicht und ich war stattdessen auf einem Camping-Trip im sommerlichen Namibia. Im Nachhinein bin ich nun überzeugt, dass die beiden gegensätzlichen Reisen sehr gut zueinander passen – sich sogar ergänzen. Die Verbindung dieser zwei Welten scheint mir vielversprechend – Innovationsgeist und Respekt vor der Natur. Ich wage sogar zu behaupten, dass nachhaltiger Fortschritt nur möglich ist, wenn wir uns wieder auf die Natur besinnen. 

Zwei Geschichten haben diese Gedanken inspiriert:

1) Vier Wochen ohne Internet

Zusammen mit elf anderen Leuten verbrachte ich letztes Jahr einen Monat lang mit Zelt und Feldbett in der faszinierenden Wildnis Namibias. Ohne Handy-Empfang, Strom für den Notfall nur aus der Autobatterie. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Lodge mit WLAN, wo ich noch die letzten WhatsApps verschickte: «Bin gut angekommen, es ist mega hier und ab morgen geht’s in die Wildnis.». 

Ich schaltete mein Handy aus und von hier an war es vergessen. Einfach so. Als hätte ich nie eins gehabt. Vereinzelt wünschte ich mir Photoshop herbei, doch das war jeweils nur von kurzer Dauer. Meine Fotokamera, ein Buch, iPod, ein paar Toilettenartikel, Kleider für sieben Tage, gutes Essen, Zelt und Feldbett – und ich war vier Wochen lang glücklich. Es hat mich ziemlich geschockt, dass mich dieser krasse Bruch mit meinem Schweizer Alltag nicht mal ein müdes Lächeln kostete. Wieviel von dem, wovon wir denken brauchen wir, brauchen wir wirklich? Haben wir die Bodenhaftung verloren, ohne dass wir es gemerkt haben?

2) Begegnung mit den San

Die San haben durch den Film «Die Götter müssen verrückt sein» Bekanntheit erlangt. Filemon gehört diesem Stamm an und hat Englisch gelernt, um mit Touristen reden und ihnen seine Kultur näher bringen zu können. Das ist bei weitem kein Fulltime-Job, denn die San leben sehr abgeschieden und einfach. Sie leben zwar noch in Strohhütten, Jäger und Sammler sind sie heute jedoch nicht mehr. Das machen sie nur noch zur Show, wenn sich wieder einmal ein paar Touristen wie wir in ihre Ecke der Welt verirren. Heute pflegen sie eine Grundwasserquelle und eine Solaranlage, bauen Gemüse an und halten Nutztiere. Die San im Pensionsalter bekommen eine staatliche Rente, mit welcher sie die ganze Community mittragen. So können sie sich einfache Luxusgüter in einem kleinen Shop in der Nähe kaufen. Filemon besitzt ein Handy – er kauft sich dort zum Beispiel Gesprächsguthaben. Ein befremdliches Konglomerat aus Ursprünglichkeit mit vereinzelten Einwürfen der Moderne. Die Fragen aller Fragen: «Braucht ihr diesen Shop? Könntet ihr ohne Geld überleben?» Filemon überlegte nicht lange: «Natürlich. Dann würden wir einfach wieder mehr sammeln und jagen. Die Natur schaut zu uns.»

Bäm. Wie schön das doch wäre – in einer Welt zu leben, in der Geld auch für diejenigen, die keines haben, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zugegeben, Filemon stellt sich das wahrscheinlich ein bisschen zu einfach vor. Trotzdem – es besteht kein Zweifel daran, dass die Zukunft organisch sein muss. Wir müssen keine Jäger und Sammler mehr werden, aber wir müssen weg vom wachstumsgetriebenen Finanz-Gefängnis, hin zum Vertrauen, dass «die Natur» zu uns schaut.

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