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Gendergerechte Sprache – Braucht’s das?

Es ist schon fast lange her, vor zwei Jahren habe ich mal das Thema hier im Blog auf den Tisch gebracht. Auf Wunsch einer Leserin dachte ich; Zeit für ein Update!

Wenn es um das Thema der inklusiven Sprache geht, also den Versuch, möglichst alle anzusprechen und niemanden nur “mitzumeinen”, tun sich die meisten Leute in meinem Umfeld schwer. Sie tun sich schwer mit dem gendern oder sie tun sich schwer, wenn nicht gegendert wird. Was also ist die Lösung?

Wenn ich einen Text schreibe, dann habe ich einen Leitgedanken: So schreiben, dass sich möglichst alle angesprochen fühlen. Aber auch so schreiben, dass der Text gut lesbar bleibt. Das klingt einfach, ist aber im Alltag oft gar nicht so leicht. Vor allem weil es mittlerweile so viele Ansätze gibt:

  • Paarform: Leserinnen und Leser
  • mit Klammer: Leser(innen)
  • Binnen-I: LeserInnen (Achtung: Wenn in Versalien geschrieben wird, ist das Wort meist weiblich)
  • Gendersternchen: Leser*innen (besonders beliebt, weil hier auch non-binäre Personen angesprochen sind)
  • Gender-Gap: Leser_innen
  • Neutrale Form: Lesende (Nachteil: Wirkt passiv und ist nicht mit jedem Wort machbar)
  • Abwechseln: Leser, Autorinnen und Werbetreibende (es wird pro Wort abgewechselt)
  • Thematisieren: Im Text gibt es einen Disclaimer, dass bei “Leser” auch die “Leserinnen” gemeint sind (wird gerne bei amtlichen Dokumenten oder auch Verträgen verwendet, geht einher mit dem altbekannten Disclaimer “im folgenden XY genannt“)

Und dann gibt es da noch ein paar zusätzliche Wörter wie “jemensch” anstelle von “jemand” und so weiter.

Warum du dir Gedanken dazu machen solltest

Das Thema polarisiert. Es wäre einfacher, wenn wir unsere Sprache nicht verändern müssten. Das ist nämlich anstrengend. Kann ich verstehen. Aber, wie schon der Watzlawick gesagt hat: «Man kann nicht nicht kommunizieren». Das gilt auch beim Gendern. Mit dem Gendern oder eben dem Nicht-Gendern kommunizierst du eine Haltung. Egal, ob du es beabsichtigst oder nicht.

Was ist die Lösung?

Ich habe zwei abschliessende Gedanken.

Lasst uns darüber reden. Ich finde es wichtig, dass wir die Auseinandersetzung nicht beenden, nur weil wir alle genug haben von dem ewigen Verhandeln (ich meine hier beide Seiten). Nele Pollatschek hat die Debatte erst letzten Sommer komplett neu entfacht, und zwar mit einer spannenden Meinung zum Thema.

Überlege dir, was du sagst. Du kommunizierst. Egal, ob du aktiv Leser*innen ansprichst, oder eben “nur” die Leser. Viele sind mittlerweile sensibilisiert und es fällt auf, wie du uns alle ansprichst. Such dir also eine passende Lösung und sei dir bewusst, dass du immer kommunizierst.

Gendern kann man übrigens auch ganz einfach umgehen. Ich habe dich in diesem Artikel einfach geduzt, ist es dir aufgefallen? Du bleibt nämlich du, egal bei wem! (Wobei wir hier jetzt auch eine Du/Sie-Diskussion starten könnten, aber das braucht wohl einen separaten Blogpost, würde dich sowas interessieren?)

Let’s talk!

Was denkst du zu diesem Thema? (Wie) genderst du? Warum? Ich freue mich, wenn wir die Diskussion in der Kommentarspalte weiterführen.

Zu diesem Thema kann ich dir auch dieses Video vom ZDF empfehlen, sehr hilfreich für die Meinungsbildung:

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Diskussion

13 Antworten

  1. LinkedIn hat das Sternchen durch einen Doppelpunkt (:) ersetzt. Das finde ich fast noch eleganter, da weniger auffällig. Aus typografischer Sicht ist alles, was den Lesefluss und die Wörter unterbricht nicht wünschenswert und kein schöner Anblick. Aus dem Grund bin ich meistens bei den neutralen Ausdrücken oder dem du/Sie. «Kreative» Wortschöpfungen wie «jemensch» statt «jemand» gehen m. E. gar nicht. Wenn ich zuerst über ein Wort nachdenken muss, bevor ich weiterlesen kann, ist es unbrauchbar. Historisch ist es übrigens nicht 100% belegt, dass «jemand» effektiv auf «Mann» bezogen wurde. Hier scheiden sich also die gendernden Geister.

    1. Spannend! Ja, über “jemensch” stolpere ich auch…
      Ah, ist mir bei LinkedIn gar nicht aufgefallen, interessant. Schreibt man jetzt “Linked:in”? 😉

  2. Moin aus Hamburg,

    auch wenn ich mich jetzt bei Einigen “in die Nesseln setzen” werde:

    “Meine” Sprache habe ich als Kind erlernt, von meinen Eltern, Großeltern, meinem sozialen Umfeld. Dies Alles in einem sozialen Kontext, dem auch diese Sprache entspricht. Später habe ich einige Aspekte aus gesellschaftlichen Gegebenheiten heraus verändert, angepasst – mal burschikos, vllt. sogar manchmal übergriffig, mal verträglich, mal akademisch, mal Slang, aber immer in einem sozialen Kontext. Sprache entwickelt sich aus sozialen Gegebenheiten heraus und nicht umgekehrt. Dabei ist es mir völlig gleichgültig, was irgendwelche Leute in irgendwelchen „Blasen“ sich gerade einmal ausdenken. Ich war und bin mit den wirklichen Problemen des Lebens durchaus ausgelastet.

    LG Thor

    1. Das stimmt 🙂 Und doch gibt es Worte, die andere verletzen. Dann lernt man, etwas neu zu benennen.

      Aber ja; Ich bin total deiner Meinung. Die Gesellschaft verändert die Sprache und nicht umgekehrt.

  3. Ja, ein immer aktuelles Thema, ich fühle mich persönlich als “Leser” nicht diskriminiert, obwohl ich ja eine “Leserin” bin…
    und ich finde es in der täglichen Sprache sehr schwer für mich immer die “LeserInnen” zu nutzen. Ebenso habe ich eben ein Hörbuch bei dem das stets bemüht neutrale “HörerInnen” auf Dauer (für mich) auch anstrengend wird. Noch seltsamer finde ich komplett neue Wortfindungen (z. Bsp: radfahrende Person)
    Bei ganz vielen Formularen komme ich ohne der Angabe “Mann/ Frau” garnicht weiter, warum braucht es das denn? Ich verstehe natürlich auch Personen, die sich nicht “richtig” angesprochen fühlen, aber wo wollen einfach STOP sagen? Alle Kinder lernen in der Schule die Wörter in allen Sprachen mit Pronomen, was soll dann auch diesen Wörtern werden wenn es komplett durchgezogen werden soll? Macht das den Sinn? Ich bin gespannt, was aus unserer Sprache und der Gesellschaft dann wird.

  4. Die deutsche Sprache, wie viele anderen Sprachen, ist binär aufgebaut – es gibt grammatikalisch zwei Geschlechter (und ein Neutrum). Insofern löst das Gendersternchen (oder auch Doppelpunkt, Unterstrich, etc.) das Urproblem nicht: Die Form dahinter gibt es trotzdem nur in zwei Varianten. Und ein weiteres Problem damit: Ich MUSS das Geschlecht angeben. Auch wenn es eigentlich gar nicht relevant ist.

    Ich wünsche mir eine echt genderneutrale Sprachform. So dass wir gar nicht mehr gendern müssen, sondern für Personen und ihre Funktionen neutrale Bezeichnungen haben. Und zwar so, dass es sprachlich so gut funktioniert wie ein generisches Maskulinum und wir nicht die unglaublichsten Satzkonstruktionen basteln müssen, um ihn irgendwie genderneutral hinzukriegen. Wir können das Geschlecht immer noch als Attribut mitgeben, wenn es an einem bestimmten Punkt von Relevanz ist.

    Für mich ist daher das Gendersternchenund verwandte Lösungen nur eine Zwischenlösung. Wichtig ist mir aber auch, dass jemand, der das Gendersternchen/-doppelpunkt/-gap nutzt, auch non-binäre Menschen akzeptiert (genau wie Firmen, die m/w/d in ihre Stellenanzeigen schreiben).

    Ich tue mich teilweise noch schwer mit der Genderstern-Schreibweise, weil sie gewisse Passagen eher schwer lesbar macht und ich dann lieber die Paarform nutze. Sie blendet zwar dann wieder Enbies aus, aber dann sind wir wieder bei der eingangs erwähnten Problematik.

    1. Da hast absolut recht: vom Gendersternchen alleine geht es keinem Menschen besser. Aber Sprache beeinflusst eben auch das Denken – ein sehr langsamer Prozess, aber immerhin. Natürlich wäre es schön, eine geschlechtsneutrale Sprache zu haben, wie beispielsweise türkisch oder auch englisch.

    2. Das hat was! Wenn wir sagen, das Geschlecht wird zur Nebensache, aber die Sätze werden doppelt so lang, weil wir das Geschlecht extra erwähnen, ist das irgendwie widersprüchlich.

  5. Hallo,
    dann werde ich mal meine paar Gedanken dazu schreiben:
    Das Gendern beim Sprechen oder Schreiben gefällt mir nicht – dennoch kann ich sowohl den Sinn als auch den Wunsch danach verstehen. Im beruflichen Kontext verwende ich noch keine inklusive Schreibweise, aber im privaten teilweise schon.

    1. Das Wort Leser*In macht Probleme bei der Barrierefreiheit, weswegen ich Leser:In verwende.
    2. Die neutrale Form verwende ich, solange es lesbar bleibt, sich gut im Text macht und ihn nicht aufblasen. “Ich möchte mich bei allen Lesern bedanken” wird zu “Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die den Text gelesen haben”.
    3. Die Haltung “Es sind doch alle mitgemeint” ist Unsinn, als vor kurzem ein Gesetzestext in der weiblichen Form geschrieben wurde, weil doch Männer mitgemeint wurde, weil eben jene Männer sich plötzlich nicht mehr angesprochen fühlten.
    4. Vorsichtig sollten wir bei Neuschöpfungen sein. Jemensch statt jemand ist Unfug, da jemand nichts mit Mann zu tun hat [jemand Indef.pron. ‘irgendeiner’, ahd. ioman ‘irgendein Mensch’ (8. Jh.)] Auch das Pronomen man (man sagt, man sollte wissen) in mensch sagt oder noch schlimmer man/frau sagt” zeugt von sprachlicher Unwissenheit, denn man hat wieder nichts mit männlich zu tun. Der Ursprung stammt hier von human, was letztlich nur feucht bedeutet – in der Antike war schon bekannt, dass Leben etwas mit Feuchtigkeit zu tun hat. Ich persönlich halte überflüssige weibliche Formen wie “Gästin” für ein Verbrechen – auch Gast bedeutet nur “wer sich vorübergehend an fremdem Ort aufhält”.
    5. Änderungen in der üblichen Sprache bringen immer Reibungen mit sich. Bei der Einführung der neuen Rechtschreibung war ich entsetzt von Wörtern wie “Delfin”, “Fotografie”, etc. Heute fällt mir das nicht mehr auf.
    6. Englische Formen gendere ich prinzipiell nicht; Producer ist bereits geschlechtsneutral.

    Ich würde mir eine emotionslose Diskussion wünschen; scheint aber gerade in den “asozialen Medien” im Moment nicht möglich. Zu Schluss noch ein Hinweis an meine Geschlechtsgenossen: Die Geschlechtsverteilung ist in Deutschland 40 Mio. Männer und 42 Mio. Frauen. Wollen wir wirklich weiterhin mit unserer “Geschlechterapartheid” leben?

    Ich hoffe, ich bin niemanden auf die Füße getreten; wünsch euch einen guten Wochenstart.

    1. Danke für den Kommentar, sehr spannend! Das mit der Barrierefreiheit wusste ich gar nicht, womit hat das zu tun? Bei Punkt 6 bin ich total bei dir. Wobei ich Worten wie “Designerin” sehr oft begegne!

    2. Antwort auf Simea Merki:
      Entschuldige bitte, ich habe Deine Frage erst vor ein paar Tagen gesehen und vergessen zu antworten. Das Problem entsteht bei Screenreadern, die die Texte vorlesen. Hier ein Link zu einem Artikel, der das gut erklärt:
      https://www.netz-barrierefrei.de/wordpress/barrierefreies-internet/barrierefreie-redaktion/texte/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit/
      Ich hoffe, Links sind in Kommentaren erlaubt…
      Schöne Osterfeiertage!

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