• Thema

  • Technologie

Neulich im Tausendstelbereich

In Zeiten von Covid-19 ist Abstand halten ja ein Riesenthema. Aber Abstand zu gewinnen, ist auch in unserem Arbeitsalltag manchmal sehr hilfreich. Denn aus der Entfernung, also mit etwas Abstand betrachtet, wirken viele Dinge oft ganz anders als man meint.

So wie kürzlich, als wir zu zweit vor dem Bildschirm standen und eine Grafik beurteilten, die nicht ganz sauber ausgearbeitet war. Es war zum einen schwierig zu erörtern, woher die ungewollte Haarlinie kam. Zum anderen war das Machwerk recht komplex aufgebaut, und dementsprechend mühsam zu bearbeiten. Wir zoomen als immer weiter rein, schalte verschiedene Ansichtsmodi durch und versuche das Rätsel zu lösen. Nach 15 Minuten frage ich mich, was wir hier eigentlich machen und werfe einen Blick auf den Vergrösserungsfaktor in dem wir uns gerade bewegen. 90’000 Prozent – der schiere Wahnsinn! Mal abgesehen davon, dass das Druckverfahren sowieso noch ziemlich viele Details schlucken würde, könnte man das Teil niemals mit blossem Auge erkennen.

Und dieser Wahnsinn begegnet einem immer wieder. Da gibt es Kollegen, die stundenlang Logos im Micrometerbereich hin und her schieben. Oder Spezialisten, die sich nicht entscheiden können, ob es noch ein halbes Prozent mehr Magenta im Sujet braucht. Und ich kann das auch verstehen. Wenn man sich Tage oder Wochen mit einem Design oder Layout beschäftig, ist man irgendwann so tief drin, das man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Dann passiert es, dass man sich an Kleinigkeiten aufhängt, die für das Endergebnis absolut nicht relevant sind. Man ist einfach zu nah dran an seinem Baby, will es perfekt haben und verliert dabei auch gern mal den Bezug zum Konsumenten. Und der Endverbraucher macht in der Regel was? Sieht etwas, kauft es, reisst es auf und wirft es dann weg. Ob das Logo schlussendlich ein Mμ weiter rechts oder links steht interessiert kein Bisschen.

Ein wenig Abstand tut manchmal also ganz gut, und kann helfen eine Situation zu lösen, in der man sich vielleicht komplett verrannt hat. Und mit etwas Abstand, das wissen alle die schon mal in einem Flugzeug gesessen sind, sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Noch mehr finden:

  • Thema

  • Technologie

Beitrag teilen
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Share on xing
Was denkst du dazu?
yeah!
0
wooow
0
what?
0
meh.
0
hahaha
0
Diskussion

6 Antworten

  1. Ich bin einer von den Detailversessenen, und nicht nur ich bin froh darüber. Wenn der Kunde irgendwann beschließt, »mein« Logo statt für seine Visitenkarten plötzlich in 12 m Durchmesser für eine Fassadenverkleidung zu benutzen, ohne nochmal mit Designer/Agentur Rücksprache zu halten, kann niemand über die schlampige Arbeit der Agentur schimpfen. Das hat schon was.

    1. Da kann ich nur auf den Kommentar hier von Olivier Maier verweisen. Der bringt es herrvorragend auf den Punkt. Eine saubere Arbeitsweise ist das A und O, da hast du vollkommen recht, und sollte immer den Gegebenheiten entsprechen.

  2. Mir gehts genauso – ich hab das Entfernen der Vergrößerungsgrenze in Illustrator bei 64000% (?) übelst gefeiert. Endlich Vergrößerungsfaktoren mit denen man mal ordentlich was erkennen kann und in der Regel völlig an der Realtiät vorbeigehen 😀

    Aber mein persönlicher Drang zum Perfektionismus würde auch etwas jucken, wenn ich zwei Pfade habe, die nicht sauber aneinander liegen oder ähnliches… aber du hast Recht, irgendwann muss man dann die Grenze ziehen und sagen “Sche** drauf”, was mir auch nicht allzu selten passiert 😉

    1. Das lob ich mir doch! Weil geschlossene Pfade geben dann bei mir in der Vorstufenprüfung keine Haarlinien. Drum gerne Daumen hoch für dieses Detailbewusstsein 😀

    1. Was sag ich immer wieder? Qualität muss so gut wie nötig und nicht so gut wie möglich sein!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

Aktuelle Jobangebote
  • FEED: publishingblog | Medienjobs und Stellen für Profis

  • Newsletter abonnieren

    Noch mehr finden:

    • Thema

    • Technologie

    Dein Gerät ist aktuell offline